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Einzeltest: Siegmann Olga 4

Jawohl – den gab’s schon mal in der LP. Zumindest so ungefähr. Mittlerweile hat der überaus spannende Röhrenvollverstärker „Olga“ allerdings ein paar Änderungen erfahren, deshalb beleuchten wir das Gerät nochmals

Mitspieler

Plattenspieler:

  • Transrotor Fat Bob / SME 309 / Grado Statement 1
  • Clearaudio Master Reference / Universal / MFSL C3.5

Phonovorstufen:

  • MalValve preamp three phono

Lautsprecher: 

  • Lansche Cubus 
  • Klang + Ton „Nada“

Zubehör: 

  • Netzversorung von PS Audio und HMS 
  • NF-Kabel von van den Hul und Transparent 
  • Phonokabel van den Hul 
  • Lautsprecherkabel von Transparent 
  • Plattenwaschmaschine von Clearaudio

 

Gegenspieler

Vollverstärker: 

  • Quad II Classic Integrated 
  • Symphonic Line RG10


Vorstufen: 

  • MalValve preamp four line 
  • Audio Research Anniversary Edition Reference Preamp

Endverstärker: 

  • Accustic Arts Amp2 MK2 
  • SymAsym

Guido Siegmann ist vor allem erst mal eins: Radio- und Fernsehtechnikermeister. Er hat also den ganzen Tag damit zu tun, ganz normalen Menschen ganz normale Unterhaltungselektronik zu verkaufen. Wenn er seiner Kundschaft Murks andrehen würde, dann stünde sie bei ihm auf der Matte, und er müsste den 80-Zentimeter- Röhrenfernseher wieder aus dem sechsten Stock ins Auto schleppen. Das will er nicht, weil eine zufriedene Kundschaft einerseits sein Kapital ist und er seine Zeit für sein zweites Standbein braucht: Röhrenverstärker.

Die Fernsehergeschichte beruht auf Vermutungen meinerseits, das mit der 80-Zentimeter-Röhre ist auch schon ein paar Jährchen her, wir dürfen aber trotzdem auf alle Fälle davon ausgehen, dass Guido Siegmann weiß, was in Sachen Elektronik funktioniert und was nicht. Außerdem residiert er in Altlußheim, was in Baden-Württemberg liegt – ich traue mich mal, die Gegend als schwäbisch zu bezeichnen und hoffe, dass ich damit nicht allzu viele lokalpatriotisch motivierte böse Leserbriefe provoziere. Der Schwabe an sich ist gründlich, ihm ist Pfusch zuwider und so verwundert es auch nicht, dass Herr Siegmann bei der Suche nach „seinem“ Röhrenverstärker vor mittlerweile über zehn Jahren nicht recht fündig geworden ist.

Mittlerweile gibt’s sogar zwei „Olgas“, einen „normalen“ und einen „Olga Basic“. Das aktuelle Topmodell ist so viel anders als der Vorgänger nicht, angepasst wurde in erster Line der Preis: Mit 2.850 Euro kostet er gepflegte 650 Euro weniger als vor vier Jahren, als wir den Vorgänger unter die Lupe nahmen. Olga ist nach wie vor etwas anders als andere Röhrenamps, und dafür zeichnet die etwas spezielle Entstehungsgeschichte des Gerätes sicher mit verantwortlich: Guido Siegmann zog es seinerzeit auf der Suche nach Röhren-Know-how nämlich nach Osteuropa, doch auch dort liefen die Dinge anders, als er es erwartet hatte. Zitat: „Den richtigen Verstärker hab ich damals nicht entdeckt, in der Ukraine habe ich allerdings meine Frau gefunden.“ Jetzt war Siegmann nicht nur verheiratet, er hatte auch einen „einheimischen“ Schwager, und mit dessen Hilfe ließ sich das Thema „Röhrenverstärker“ letztendlich erfolgreich auf Kiel legen.

So ganz kann sich auch Olgas aktuelle Inkarnation einem gewissen osteuropäischen Flair nicht entziehen; betrachtet man das Gerät etwas näher, hat man an einigen Stellen das Gefühl, einen Hauch russischen Militärflairs zu verspüren. Sowohl der ziemlich ausladende Verstärker als auch die runde „Netzteildose“ sind in Edelstahl verpackt. Durch Fenster in der Front lugen ein paar der entscheidenden Protagonisten des Verstärkungsprozesses in Gestalt eines Sechserpacks Röhren pro Kanal, samt und sonders gute russische NOS-Ware. Als Leistungslieferanten dienen pro Kanal vier Stück 6P3S, die in etwa der bei uns gängigen 6L6G entsprechen. Das Front End bilden zwei Noval-Doppeltrioden 6N2P und 6N3P. Bei der Endstufe handelt es sich um ein klassisches Push-Pull-Konzept mit je zwei parallelen Röhren, spezifiziert wird eine Ausgangsleistung von 40 Watt – wir messen eher 25, aber das macht den Kohl nicht fett. 

Entfernen wir also des Edelstahlblech, darunter finden wir erst einmal – Blech. Jenes trennt die Röhrenschaufenster von weiteren Schlüsselkomponenten des Gerätes, den Ausgangsübertragern. Dabei handelt es sich um ausgesprochen massive Schnittbandkerntypen, selbstverständlich aus deutscher Fertigung. Und diese sind noch besser verschachtelt als beim Vorgängermodell – das ist gut für Linearität und Grenzfrequenz. Unterm Bodenblech fällt der Blick auf eine teils frei verdrahtete, teils platinengebundene Schaltung. Auf schnödes Epoxydharz darf dabei nur die Stromversorgung: Jeder Kanal hat seine eigene Hochspannungsversorgung. Mittig sitzten die Heizungsversorgung und ein wenig „Intelligenz“, die dafür sorgt, dass die Hochspannung verspätet zugeschaltet wird. Die Verstärkerschaltung selbst ist nach alter Väter Sitte „fliegend“ aufgebaut, und das äußerst akkurat: Jeder Widerstand, jeder Kondensator kontaktiert seine Nachbarn auf kürzestmöglichem Wege, zusätzliche Leitungen braucht‘s fast gar nicht, die Anschlussdrähte der Bauteile selbst erledigen die Leitungsführung beinahe allein. So hält man die Signalwege kurz und die Anzahl der Kontaktstellen klein.

Der Aufwand in Sachen Bauteile kann sich sehen lassen: Was hier an Silber-/Gold- Kondensatoren vom Kölner Spezialisten Mundorf drinsteckt, das haut finanziell ordentlich ins Kontor. Mittlerweile gibt’s auch nur noch ein blaues Alps-Poti für die Lautstärke, das war früher mal anders (und unpraktischer). Auch einen Eingangswahlschalter hat Olga mittlerweile zu bieten; so kann man ohne Klimmzüge vier Quellen anschließen. Auch wenn wir es mit einem nicht eben zierlichen Konstrukt zu tun haben: Fürs Netzteil wäre beim besten Willen kein Platz mehr gewesen – schon mal gar nicht, wenn man den Job von zwei Ringkernen ordentlichen Kalibers machen lassen will. Die fristen in einer Röhre aus Edelstahl-Lochblech ihr Dasein und docken über zwei dicke Strippen mit massiven Harting-Industriesteckverbindern an den Verstärker an, und das hat genau den Charme von Schwermaschinenbau, den das Gerät auch sonst verströmt.

In die Kategorie fällt zweifellos auch das, was die Rückwand bevölkert. Die acht Lautsprecherterminals (komplett getrennte Ausgangsübertragerabgriffe für 4- und 6- bis 8-Ohm-Lautsprecher) sind eindeutig das Dickste, was jemals die Fertigungsstätten von WBT in Essen verlassen hat. Hier kann man nicht nur große Kabelschuhe mit Kraft verschrauben, sondern auch Bananenstecker unverrückbar einklemmen.

So. Und jetzt muss ich Sie noch von der in der Zwischenzeit sicherlich bei Ihnen gewachsenen Überzeugung kurieren, dass solcherlei Großmaschinenbau klingen dürfte wie ein Krupp‘scher Schmiedehammer. Tut er nämlich nicht. Erst einmal fällt auf, dass Olga Sensibilitäten bezüglich der anzuschließenden Lautsprecher weitgehend fremd sind; da es sich um ein „ordentlich“ gegengekoppeltes Schaltungskonzept handelt, sind Sensibilitäten in dieser Hinsicht lange nicht so ausgeprägt wie bei anderen Vertretern der Röhrenzunft. Als Nebeneffekt gibt‘s übrigens unglaublich gute Messdaten; ein Fremdspannungsabstand, der an der dreistelligen Dezibelmarke kratzt, ist uns bei einem Röhrenverstärker noch nie untergekommen. Dabei verwundert es weniger, dass das Gerät auch mit Lautsprechern unterhalb von 85 Dezibel Wirkungsgrad klarkommt, sondern viel mehr, dass es auch mit solchen tut, die mindestens 10 Dezibel lauter sind: Das Ding ist auch an einem 95-Dezibel-Lautsprecher einer der „ruhigsten“ Verstärker, der mir je untergekommen ist. Da rauscht nichts, brummt nichts, zirpt nichts – große Klasse.

Wie „röhrig“ klingt‘s denn? Nun, die Wahl der verstärkenden Bauteile schlägt durch, aber sehr verhalten. Der recht voluminöse, ansatzweise warme Tieftoncharakter ist hörbar, man sollte das aber keinesfalls mit „weich“ verwechseln. Olga modelliert Tieftonales nämlich sehr trocken und konturiert. So etwas kann man bei den Aufnahmen der norwegischen Sängerin Kari Bremnes immer besonders gut hören, und deren jüngstes Live-Album „Reise“, respektive dessen direkter Vergleich zu den entsprechenden Studioproduktionen hat mit dem Siegmann-Verstärker großen Spaß gemacht. Olga zeigt ganz eindeutig auf, dass hier sowohl im Studio als auch beim Einfangen der Bühnenatmosphäre ganz exzellente Jobs gemacht wurden, aber die Live-Platte kommt letztlich qualitativ nicht gegen die Studiotechnik an. Stimme und Klavier „quengeln“ auf der Bühne etwas, davon gibt‘s zum Beispiel auf „Svarta Bjørn“ keine Spur.

Transparenz und Differenzierungsvermögen sind also zuhauf vorhanden, aber völlig frei von Nervigkeit; man kann diesem Verstärker stundenlang zuhören, ohne dass eine Besonderheit die Aufmerksamkeit weckt. Es passt einfach – und das auf hohem Niveau. Stimmen haben Luft, es tönt extrem frei nach oben heraus, die Raumdarstellung gelingt variabel und glaubwürdig – gerade dafür ist der Vergleich Bühne/Studio sehr interessant. Entschuldigung, ich habe nichts zu meckern. Das Gerät klingt einfach sauber, aufgeräumt und allürenlos. In Anbetracht der etwas barocken Erscheinung mag das überraschen, angesichts des konsequenten und sauber umgesetzten Konzeptes nicht. Meine herzlichen Glückwünsche an den Herrn Schwager in der Ukraine – hat er gut gemacht.

 

Fazit

Jetzt mit Eingangswahlschalter, gut bedienbarer Lautstärkeregelung und zu deutlich reduziertem Preis – der schwäbische Röhrenvollverstärker mit ukrainischen Genen hat sich zu einem echten Best Buy gemausert

Quelle: http://www.hifitest.de/test/roehrenverstaerker/siegmann-olga_4_5342

Anschrift

Dornierstrasse 12
68804 Altlußheim

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Kontakt

Tel.: 06205 / 32429
Fax.: 06205 / 32430
Email: info@olga-verstaerker.de

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